Deutsch-Türkischer Kongress
für
Gastroenterologie, gastroenterologische Chirurgie und Onkologie

 Presse-Information (Pressemitteilung 1/ 2011)

Mit neuer Technologie nach Istanbul

Kontrastmittel-Ultraschall gegen Leberkrebs 

Wilhelmshavener Internist eröffnet mit neuester Diagnose-Technik seinen 23.Deutsch-Türkischen Magen-Darm-Kongress in Istanbul

 Die Zahlen sind alarmierend: Inzwischen bekommen jedes Jahr mehr als 6.000 Deutsche die Diagnose Leberkrebs (Leberzellkarzinom). Die Zahlen haben sich dabei in den letzten 20 Jahren verdoppelt und werden weltweit weiter ansteigen. Das liegt vor allem an daran, dass immer mehr Bürger an Leberzirrhose und Hepatitis-C erkranken. Das heimtückische am Leberzellkarzinom ist, das der Betroffene erst sehr spät etwas  von der Krankheit merkt (Symptome). Und oft sind die Behandlungsmöglichkeiten dann nicht mehr sehr groß und der Patient stirbt.

Doch im Bereich der Diagnostik von Leberkrebs gibt es jetzt eine kleine medizinische Revolution. Mit Hilfe von Kontrastmittel-Ultraschall (Kontrast-Sonographie) können (bösartige) Veränderungen der Leber viel besser erkannt werden. "Im Bereich der Ultraschall-Technik ist der Einsatz von Kontrastmitteln der größte Fortschritt der letzten Jahre im Bereich der Diagnostik. Das Verfahren kommt ohne Strahlen aus und ist sehr kostengünstig", so der Wilhelmshavener Internist Dr. med. Deniz Uyak.

Bei der Untersuchung mit Ultraschall (Sonographie/ Echographie) werden die Organe des Körpers mit Hilfe von Schallwellen (Echos) als Bild räumlich dargestellt (Gewebe wird je nach Struktur unterschiedlich stark reflektiert). Die Ultraschall-Wellen sind dabei nicht hörbare Schall(Druck)wellen (1-40 MHz).

Die Geschichte der Ultraschall-Wellen ist dabei sehr interessant, da die Technik ursprünglich aus dem militärischen Bereich kommt. Im 1.Weltkrieg erfand der Franzose Paul Lengewin die Ultraschallwellen zu Bekämpfung von U-Booten. Zwischen dem erstem und zweiten Weltkrieg wurden Ultraschallwellen dann im industriellen Bereich zur Materialprüfung eingesetzt. Im medizinischen Bereich machte 1942 der Neurologe Karl Dussik die ersten Untersuchungen mit Ultraschall (Hirnuntersuchung). Seit den 70iger Jahren sind Ultraschall-Untersuchungen im medizinischen Bereich Rutine in Deutschland. In den 80iger Jahren wurde die Doppler-Sonographie Alltag in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen. In den 90iger Jahren wurde die Untersuchungs-Technik erstmals durch moderne Kontrastmittel (Luft, Gase) verfeinert. Der Durchbruch bei Ultraschall-Verfahren mit Kontrastmitteln gelang aber erst in den letzten Jahren.

Die konventionelle Ultraschalltechnik wird im medizinischen Alltag im Kopf, im Bauchraum und den Beinen eingesetzt (Hirn, Halsgefäße, Herz, Leber, Niere, Schilddrüse, Harngefäße etc.). Die Bilderzeugung erfolgt nach dem Echo-Impuls-Verfahren. Dabei wird ein elektrisches Signal (Impuls) in ein Schallsignal umgewandelt (Piezoelektrischer Effekt) und über den Schallkopf in den Körper gesendet. Je nach Gewebestruktur wird das Schallsignal reflektiert (ein Teil der Sachallenergie wird vom Gewebe aufgenommen) und vom Schallkopf wieder aufgenommen. Durch eine Auswertelektronik im Ultraschall-Gerät werden die Schallunterschiede der Organe dann in ein Bild umgewandelt. Bei der Widergabe (Darstellung) der Schall-Informationen wurde am Anfang der Entwicklung von Sonographie-Geräten der sogenannte A-Mode (Amplituden-Mode) benutzt. Zu Pionierzeiten gab es dabei kein wirkliches (räumliches) Bild, sondern nur eine Diagramm-Darstellung (x-/y-Achse). Erst später wurde das B-Mode (Brightness-Mode) Verfahren benutzt, das ein "echtes" Bild (und nicht nur ein Diagramm) vom Patienten erzeugte. Noch weiter geht die M-Mode (Motion-Mode) Darstellung, bei der auch komplette Bewegungsabläufe (z.B. Herzklappen) untersucht werden können. Durch bessere Rechnerleistungen (Hard-und Software) können Bilder heute sogar dreidimensional im Raum beweglich (3-D live) gezeigt werden. Neben der konventionellen (klassischen) Ultraschall-Technik (M-Mode/ 3-D live) kann zusätzlich das Doppler-Verfahren (CW-Doppler/ PW-Doppler) genutzt werden, um den Blutfluss (Geschwindigkeit, Abweichungen wie Verschlüsse/Verengungen/ Herzklappenfehler etc.) zu analysieren.
Ultraschall-Geräte gibt es auf dem medizinischen Markt ab 3.000 Euro und in verschiedenen Größen (PDA, Laptop, PC). Die wichtigsten Hersteller sind General Electric (GE), Phillips, Siemens, Hitachi und Toshiba. Der Gesamtumsatz für Ultraschallgeräte liegt bei 4 Milliarden Euro.

"Beim Kontrastmittel-Ultraschall nutzt man ganz einfach die chemischen Eigenschaften des Blutes um ein besseres Bild zu erzeugen, " so Uyak.
Vor der Ultraschall-Untersuchung wird dem Patienten dazu ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt (das fließt über Herz, Lunge und Arterien in die Organe). Die Kontrastmittelflüssigkeit besteht aus winzigen Gasbläschen (etwas kleiner als ein rotes Blutkörperchen) die mit einem Gas (z.B. Schwefelhexafluorid) gefüllt sind.
Die Gasbläschen selber werden dabei zu Schallsendern und verstärken das Ultraschall-Signal (Backscatter-Prinzip). An Hand des Durchblutungsmusters des Organs (z. B. Leber) kann der Arzt erkennen ob ein Tumor bösartig ist oder ein Infarkt (Niere, Milz etc.) vorliegt. Das gespritzte Kontrastmittel ist sicher (empirische Studien/ EU-Zulassung) und wird normalerweise sehr gut vertragen (auch bei Nieren-oder Schilddrüsenerkrankung). Einigen Kontrastmitteln (z.B. Sonovue) dürfen jedoch nicht bei Patienten mit schweren Herzerkrankungen (schwere Herzinsuffizienz, schwere pulmonale Hypertonie, schwere Herzrhythmusstörungen etc.) gegeben werden.

 Gegenüber der Kernspintomographie (MRT) hat die Kontrast-Sonographie den Vorteil, das auch Personen mit (großen) Metall-Implantaten untersucht werden können. Im Gegensatz zur Computertomographie (CT) mit hoher Strahlenbelastung (ca.2-3 Millisievert) sind Ultraschall-Wellen im medizinischen Bereich nicht schädlich. Weiterer Vorteil der Ultraschall-Untersuchung mit Kontrastmittel sind die niedrigeren Untersuchungskosten und die hohe Verfügbarkeit von Ultraschallgeräten (hohe Anzahl an Geräten da Anschaffungspreise verhältnismäßig gering sind).

Aber die Kontrastmittel-Technik hat auch Nachteile. Grenzen des neuen Verfahrens sind z. B. Personen mit großem Übergewicht (Adipositas) oder Luft im Darmbereich. Außerdem kann man bis heute nicht alle Bereiche des Körpers mit Ultraschall untersuchen. Außerdem braucht man für die Kontrastmittel-Ultraschalltechnik ein neues technisches Zusatzgerät (Modul).

Bei einem Qualitätsvergleich zwischen Kontrast-Ultraschall und Kernspintomographie (MRT) bzw. Computertomographie (CT) gab es ähnlich gute Ergebnisse bei allen Verfahren. Der Kontrast-Ultraschall hat vor allem bei Leberkrebs eine hohe Trefferquote von bis zu 90 %. Und auch bei Metastasen (Tochtergeschwüren) ist die Detektionsrate durch das Kontrastmittel um bis zu 20 % höher. Trotz der hohen Qualität von Kontrast-Sonographien in einigen Bereichen sollten MRT und CT ergänzend eingesetzt werde, wenn kein klarer Befund vorliegt. Und wenn allle bildgebenden Verfahren (Kontrast-Ultraschall, MRT, CT) nicht weiter helfen, muss Gewebe entnommen werden (Zytologie/ Histologie).

"Mit der Kontrastmittel-Methode im Ultraschallbereich kann man mit  einer kleinen Spritze die Diagnostik im medizinischen Bereich massiv verbessern und Leben retten. Deshalb stellen wir die neue Methode auf dem 23.Deutsch-Türkischen Magen-Darmkongress in Istanbul vor." so der Veranstalter Deniz Uyak. Dazu wird während der Endoskopie-Tagung (Workshop) am 13.Juni 2011 in der Bez-mi Alem Stiftungs-Universität praktische Übungen am Patienten von Prof. Dr. Michael Gebel und Prof. Dr. Hakan Sentürk demonstriert.

Hier kurz einige Fakten zu dem 23.Deutsch-Türkischen Magen-Darm-Kongress in Istanbul. Der Kongress für Gastroenterologie, Chirurgie und Onkologie in Istanbul wird seit über 20 Jahren auf gemeinnütziger Basis (ehrenamtliche Arbeit der Beteiligten) organisiert. Insgesamt nehmen jedes Jahr um die 15 europaweit bekannte Fachreferenten und mehrere hundert Fachbesucher an dem Gastro- Kongress teil. Dazu kommen noch Firmen (Sponsoren) und (Sonder)Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien. Neben dem eigentlichen Kongress findet noch ein Endosonographietagung (Workshop) und eine Fachausstellung (Firmen) statt. Abgerundet wird das wissenschaftliche Programm durch ein interessantes Rahmen- und Reiseprogramm (Istanbul und die ehemaligen Sowjetrepubliken Aserbaidschan, Armenien, Georgien). Der Magen-Darm-Kongress hat sich inzwischen zur größten jährlichen Veranstaltung im Bereich Magen-Darm-Erkrankungen in der Türkei entwickelt. Außerdem wurde der 22. Deutsch-Türkische Kongress für Gastroenterologie 2010 (Istanbul) von der Akademie für Ärztliche Fortbildung (Ärztekammer Niedersachsen)  im Rahmen der freiwilligen Zertifizierung mit 17 Punkten bewertet. Neben dem schriftlichen Info-Material (allgemeine Informationen, Kurzübersicht, Kongressheft etc.) gibt es weitere Informationen unter www.uyak.eu auf unserer Internet-Homepage.

Interessierte Journalisten können sich gerne für weitere Informationen an mich wenden. Möglich ist neben Recherchegesprächen und Interviews auch die Berichterstattung über den  23.Deutsch-Türkischer Magen-Darm-Kongress vom 13.-14. Juni 2011 in Istanbul (oder auch andere medizinische Themen wie Magen-Ballon Eingriffe etc.).

 

Wilhelmshaven, den 06. April 2011             (5 Seiten/ 194  Zeilen/ 9.078 Zeichen)

Dr. med. Deniz Uyak
Klaus Uyak M.A.